Vorteil von Stadt und Land

Eine Durchschnittsimmobilie kostet in der Metropole rund 315.000,- Euro. Im Wiener Umland kosten dieselben 60 m2 € 205.000,-. Der Unterschied zwischen Stadt und Land liegt also bei konkreten 110.000,- Euro. Damit könnte man mit einem VW Golf 20 Jahre lang täglich 50 km pendeln.

Ab ins Grüne!

Doch ist der Vergleich zwischen Stadt und Land wirklich so einfach zu ziehen? Der gemeine Stadtmensch ist ja gerne auf dem Land. Am Wochenende zumindest. Es ruft das Waldviertel oder der Voralpenraum mit seiner landschaftlichen Schönheit, der Badesee bringt Spaß für die Kinder. Aber man bleibt unter sich. Sowohl die Wochenendgäste, als auch die angestammten Landbewohner, obwohl – trotz aller Vorurteile – immer eine gewisse Neugier bleibt: Wäre es nicht viel schöner, das Leben des jeweils anderen zu führen?

Hier das Land mit der gesunden Anmutung, der reinen Luft, der Stille, dem vielen Grün. Und der Sicherheit für die Kinder, weil sie ungefährdet den Tag in der Natur verbringen können. Dort die Stadt mit ihrem reichen Kulturangebot, den belebten Straßen, Plätzen und Parks, den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und dem schier unendlichen Freizeitangebot.

Viele Städte und vor allem ihr Umland sind zu begehrten Lebensräumen geworden. Dennoch bleiben Gegensätze bestehen. Breitbandversorgung oder andere infrastrukturelle Maßnahmen rechnen sich in manchen ländlichen Gebieten nicht. Führen diese Unterschiede aber auch zu einer gesellschaftlichen Entkopplung? Kann auch in Österreich eine Situation ähnlich den USA entstehen, wo manche wenig wertschätzend von flyover states sprechen, wenn sie den ländlichen Raum meinen? Wo andersherum manchem die Städte als Moloch ohne Moral und Gesetz erscheinen? Allen voran der Wasserkopf Wien?

Ein kleines Quiz

Um diese Frage(n) zu beantworten, haben wir ein wenig recherchiert. Was denken Sie: stimmt es, dass Menschen am Land häufiger ihre Freunde und Bekannten treffen? Oder dass der sonntägliche Kirchgang am Land viel häufiger stattfindet? Wie sieht es Ihrer Meinung nach mit dem persönlichen Sicherheitsgefühl aus? Stimmt es, dass sich Städter in bestimmten Gegenden unsicherer fühlen, als Menschen in ländlichen Gemeinden? Ergo: Je kleiner die Gemeinde, umso zufriedener die Menschen?

Nun, das meiste davon stimmt nicht. Der Stadtmensch ist meist „geselliger“ als der Landbewohner, geht genauso oft (oder so wenig) in die Kirche und ist nicht unzufriedener als ein Grameiser (Anm.: Grameis im Bezirk Reutte/Tirol ist mit 45 Einwohnern die kleinste Gemeinde Österreichs). Lediglich beim Sicherheitsgefühl liegen Sie mit Ihrer Annahme richtig. Hier ist das subjektive Empfinden am Land besser. Obwohl z.B. gerade Wien zu den sichersten Großstädten der Welt zählt: Platz 5 unter 221 Städten (Quelle: Mercer). Und aktuell sogar zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde (Quelle: Economist). Vielleicht auch deshalb, weil die Hälfte der Fläche Wiens aus Grünraum besteht?

Was ist (m)ein gutes Leben? Wie werden meine Familie und ich glücklich?

Was ist ein gutes Leben?

Letztlich reduzieren sich alle Fragen auf eine einzige: Was ist (m)ein gutes Leben? Wie werden meine Familie und ich glücklich? Wie können wir uns alle am besten entfalten? Ob und wie sehr das einzig und allein vom Wohnort abhängt, darf bezweifelt werden. Unsere Aufgabe als Eltern besteht darin, ein Heim zu schaffen, in dem Kinder Liebe und Geborgenheit erfahren. Egal wo. Der Wohnort hat mit Familienglück genauso viel zu tun, wie die Anzahl der Fernseher oder der Urlaube pro Jahr. Das Glück unserer Kinder – wie auch unsere eigenes – hängt nicht (nur) davon ab, ob man täglich durch den Wald joggt oder neugierig die Museen der Stadt erkundet.

Fazit

So gesehen hat eben beides seine Vorteile. Wir wollen hier weder ein Plädoyer für das Stadtleben halten, noch allzu sehnsuchtsvoll die Idylle des Landlebens preisen. Die Lösung wäre ja ganz einfach: Ein Bauernhof hinter dem Stephansdom muss her. Dann braucht’s auch keinen Golf zum Pendeln.

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